Auf der Farm
Arabica
Im kenianischen Arabica-Anbau sind rund 36 Schädlinge bekannt. Auch Schädlinge können die ganze Ernte vernichten. Grundsätzlich gibt es gegen alle Schädlinge mehr oder weniger gute Insektizide. Ein Einsatz von Insektiziden ist aber der letze Weg, um die Schädlinge zu bekämpfen. Eine weit grössere Rolle spielt die Prävention. Im Grundsatz gilt es möglichst schlechte Umweltbedingungen für die Schädlinge zu schaffen, zugleich aber die Nützlinge zu fördern. Hier spielt das Schneiden der Bäume eine entscheidende Rolle (siehe im Kapitel Schnitt).
Auch im Kampf gegen Schädlinge ist Früherkennung matchentscheidend. Wenn man sie früh erkennt, muss man nur eine kleine Fläche mit Insektizid behandeln. Dadurch überleben die Nützlinge auf der nicht behandelten Fläche. Entdeckt man die Schädlinge zu spät, haben sie sich schon auf der ganzen Farm ausgebreitet und die gesamte Fläche muss zwingend behandelt werden. Dies bringt das grosse Problem mit sich, dass auch alle Nützlinge getötet werden. Sind die Nützlinge tot, haben die Schädlinge auch keine Gegenspieler mehr. Somit ist man in einem Teufelskreis angelangt. Es wird immer schwieriger die Schädlinge unter Kontrolle zu bringen.
In einer integrierten Produktion geht man andere Wege. Kenya Mealybug oder auf Deutsch Kenianische Schmierlaus ist einer der schlimmsten Schädlinge. Diese Schmierläuse saugen und fressen von den Kaffeebäumen. Dadurch beschädigen sie die Transportwege der Nährstoffe, als Folge davon werden Blätter und Früchte unterversorgt.
Die Mealybug sind zum Teil die Milchkühe von Ameisen. Die Mealybug produzieren eine Art Honig. Diesen Honig ernten die Ameisen regelmässig. Dass sie dies auch nachhaltig tun können, sorgen sie für ein optimales Umfeld der Mealybug. Dasselbe machen sie auch bei anderen Schädlingen wie Scales. Sie transportieren sie sogar zu Nachbarbäumen. Mit Hilfe von Ameisen vermehren sich die Mealybug oder Scales rasend schnell und können schnell eine ganze Plantage befallen und zerstören.
Bekämpft man die Mealybug oder die Scales mit Insektiziden ist eine hohe Dosis notwendig. Eine weisse Schmierschicht schützt nämlich die Mealybug von den Insektiziden. Durch die hohe Dosis killt man mit Sicherheit alle Nützlinge, aber viele Schädlinge werden überleben. Man ist beim Teufelskreis angelangt.
Um dies zu verhindern geht man andere Wege. Man streicht nur einige Zentimeter des Baumstammes mit einem Insektizid an. Dadurch versperrt man den Ameisen den Weg nach oben. Sie sind also nicht mehr fähig die Mealybugs vor Nützlingen zu beschützen. Nun haben die Nützlinge freien Zugang zu den Mealybug um sie zu eliminieren.
Merke:
Nur mit einem Zusammenpiel von professionellem Baumschnitt, Früherkennung und rechtzeitigem Handeln ist eine nachhaltige Kaffeeproduktion möglich. Viele von den 36 Schädlingen können so unter Kontrolle gehalten, aber nicht ausgerottet werden. Um dies zu erreichen, ist ein perfektes Management Voraussetzung.
*Erstes Entwicklungsstadium der Kaffeekirschen nach der Blüte
Der Schaden von Green Scales. Die bereits gebildeten "Pinheats*" wurden völlig zerstört.
Ein Bild von gesunden Pinheats
Coffee Berry Borer
Green Scales mit einer Ameise
Robusta
Auch im Robusta-Anbau sind einige ernstzunehmende Schädlinge bekannt. Einer davon trägt den Namen Root Mealybug. Im Gegensatz zu den Kenya Mealybugs fressen und saugen sie an den Wurzeln des Baumes. Root Mealybugs sind auch im Arabica-Anbau anzutreffen. Gegen die Root Mealybugs nützt ein professioneller Baumschnitt wenig, denn diese Schmierläuse leben bis zu 10 cm unter der Erdoberfläche an den Wurzeln des Baumes. Sie können auch an den Wurzeln von diversen Unkräutern im Kaffeefeld überleben. Dies ist ein Problem, denn wenn man die Root Mealybug am Kaffeebaum bekämpft hat, kommen innert kürzester Zeit wieder welche von den Unkräutern zum Kaffeebaum.
Es gibt auch Nützlinge gegen diese Pest. Sie tragen den Namen Lebtomasitx Dactolopii. Diese legen ihre Eier in die lebenden Mealybug. Die daraus schlüpfenden Larven fressen dann die Mealybugs von innen auf. Leider sind diese Nützlinge nur sehr schwer zu fördern oder nicht vorhanden. Deswegen ist eine chemische Bekämpfung meist unumgänglich. Für die Bekämpfung wird ein Insektizid-Wassergemisch direkt zu den Wurzeln des Baumes geschüttet.
Ein anderer Schädling ist der Yelow Borer. Dies ist ein Insekt, das seine Eier in den Stamm junger Schösslinge oder in die Spitze des Kaffeebaumes legt. Die aus den Eiern geschlüpften Larven fressen sich danach von der Stammmitte in Richtung Wurzeln. Dabei beschädigen sie den ganzen Kaffeebaum. Um diesen Schädling unter Kontrolle zu halten, ist eine ständige Überwachung notwendig. Jeden Monat muss jeder Baum auf diesen Bohrer untersucht werden. Ist der Baum befallen, wird ein Gift in das Bohrloch gespritzt und die Larve verendet. Dadurch unterbricht man den Lebenszyklus und man kann die Population in Grenzen halten. Das gleiche wird übrigens auch im Arabica-Anbau gemacht.
Es gibt auch noch den Coffee Berry Borer. Dieser frisst die Kaffeekirsche von innen auf. Um die Vermehrung dieses Insekts zu minimieren, ist es wichtig, dass alle Kirschen, auch die auf dem Boden, gesammelt und verarbeitet werden. Auch im Arabica-Anbau gibt es diverse Bohrer respektive Larven, die die Bäume oder Beeren beschädigen.
In einem Robusta-Feld sind noch weitere Schädlinge anzutreffen. Diese verursachen aber bis zum heutigen Tag keine wirtschaftlichen Schäden. Trotzdem ist es wichtig, das Feld ständig zu beobachten. Im Allgemeinen werden beim Robusta-Anbau viel weniger Insektizide eingesetzt, wodurch die Produktionskosten gegenüber dem Arabica-Anbau erheblich tiefer sind.
Root Mealybugs, Kenya Mealybug haben das gleiche Erscheinungsbild.
Zwei Yellow Borer Larven
Yellow Borer ausgewachsen
Der Schaden eines Yellow Borer
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