Auf der Farm
Arabica
Wie schon erwähnt ist Coffea arabica viel krankheitsanfälliger als Coffea robusta. Dies wirkt sich erheblich auf die Produktionskosten aus. Man hat heute zwar fast für jede Krankheit chemische Bekämpfungsmittel, diese sind jedoch teuer und sprechen nicht für eine nachhaltige Produktion. In der Sortenzüchtung liegt dadurch der Schwerpunkt, krankheitsresistente Sorten zu finden. Das Problem liegt darin, dass wenn man eine resistente Sorte gegen eine Krankheit gefunden hat, muss man meist mit einem verminderten Ertrag rechnen. Beides zu kombinieren, verbesserter Ertrag und Krankheitsresistenz, ist schwierig umzusetzen.
Die Hauptkrankheiten, vor allem in Kenia, sind Coffee Berry Disease (CBD) und Coffee Leafe Rost (Kaffeerost). Kaffeerost ist ein Pilz, der die Blätter attackiert und zerstört. CBD ist ebenso ein Pilz, der vor allem die Kaffeekirschen befällt und vernichtet. Diese Krankheiten können die Ernte komplett ruinieren. In Kenia ist seit rund 20 Jahren eine resistente Sorte gegen diese Krankheiten vorhanden, ihr Name ist Ruiro 11. Neu angelegte Felder werden meist mit dieser Sorte gepflanzt. Der meiste Kaffee von Kenia wird aber nach wie vor von der traditionellen Sortengruppe „SL“ produziert. Diese Sorten sind äussert krankheitsanfällig, weisen aber eine gute Tassenqualität auf. Diese Sorten wurden ungefähr ab dem Jahr 1920 angepflanzt (Kolonialzeit). Die Farmbesitzer in Kenia oder auch die Kleinbauern ersetzen ihre alten Kaffeebäume (SL-Sorten) nur ungern durch Ruiro 11, denn dies bedeutet einen Ertragsausfall über mehr als zwei Jahre und grosse Investitionskosten. Somit besteht die Anbaufläche noch zum grössten Teil aus den krankheitsanfälligen SL-Sorten. Die Bäume dieser Farmen sind zum Teil über 80 Jahre alt. Seit kurzem ist wieder eine neue Sorte auf den Markt gelangt. Ihr Name ist Batian. Es wird sich aber erst in Zukunft zeigen, wie gut die Eigenschaften dieser Sorte wirklich sind.
In der Regenzeit müssen in den meisten Regionen rund alle 14 Tage Fungizide gegen CBD und Kaffeerost gespritzt werden. Dies ergibt 5 bis 10 Spritzungen pro Jahr. Meistens wird eine Tankmischung von Blattdünger und Fungizid gespritzt. Blattdünger ist eine Form von Dünger, der über die Blätter aufgenommen werden kann.
Es gibt noch eine Vielzahl weiterer Krankheiten, die aber eine weit kleinere Bedeutung haben als die beiden erwähnten Krankheiten.
Ein mit Blattrost befallenes Kaffeebaumblatt (Unterseite)
Die Pflanzenschutzmittel werden meist mit kleinen Traktoren ausgebracht.
Robusta
Bei Robusta-Kaffee ist die Krankheit CBD nicht bekannt. Blattrost ist vorhanden, hat aber keine wirtschaftliche Bedeutung. Daher ist keine Bekämpfung notwendig.
Die einzig ernsthafte Krankheit bei Robusta-Kaffee ist Coffee Wild Disease (CWD). CWD ist ein Pilz unter der Rinde, der von den Wurzeln bis zu der Baumspitze vordringt. Ist ein Baum mit CWD befallen, wird er absterben. Diese Krankheit ist nicht mit Fungiziden zu bekämpfen. In den letzten Jahren hat daher CWD rund 40% der Robusta-Bäume in Uganda und Kongo vernichtet.
Einzige Möglichkeit die Krankheit zu bekämpfen, ist die Ausbreitung zu verhindern. Es wird mit Hochdruck an resistenten Sorten gezüchtet. Es ist den Forschern aber bislang noch nicht gelungen, eine solche zu finden.
Ist ein Baum mit CWD befallen, muss er an Ort und Stelle verbrannt werden. Dabei ist es wichtig, dass auch die Wurzeln und alle Blätter rund um den befallenen Baum vernichtet werden. Weil der Pilz auch nach der Verbrennung des befallenen Baumes im Boden lauert, kann dort nicht einfach ein normaler Robusta-Baum neu gepflanzt werden. Es werden gepfropfte Bäume, sprich die Wurzel kommt von einer Arabica-Sorte und der obere Teil des Baumes kommt von einer Robusta-Sorte, gepflanzt. Die Arabica-Wuzel kann nicht von CWD befallen werden, somit erreicht man eine gewisse Resistenz.
Um die Verschleppung von Baum zu Baum zu vermindern, werden die Baumscheren und Sägen nach jedem Baum, der geschnitten wurde, desinfiziert. Es ist auch wichtig kranke Bäume so früh wie möglich aufzuspüren und zu eliminieren. Je früher dass man den befallenen Baum eliminiert, desto geringer ist die Chance den Pilz zu anderen Bäumen zu verschleppen.
Merke: Beim Robusta-Anbau werden praktisch keine Fungizide eingesetzt. Dies ist ein Grund, dass der Robusta-Kaffee ökonomischer und ökologischer produziert werden kann als der Arabica-Kaffee. Die grösste Herausforderung für die Zukunft ist eine resistente Sorte gegen CWD zu finden.
Erste äußerliche Krankheitssymptome von CWD
Ein mit CWD befallener Baum weißt eine schwarze Verfärbung (Pilz) unter der Rinde auf.
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